26. Juni 2011

Den Eindruck werde ich einfach nicht los. Dass es einigen nur um die schnelle Schlagzeile, um politisches Kapital geht. Beispiel Freistaat. Anscheinend "das große Friedensprojekt", "das Zukunftsmodell" für Südtirol. Was er wirklich sein soll, dieser Freistaat, das weiß niemand so recht. Ich bleibe dabei: das sind Experimente, die nirgendwo hinführen. Und wenn ich ehrlich bin, dann bin ich fest davon überzeut, dass es viel wichtigere Themen für Südtirol gibt...
Prekäre Arbeitsverhältnisse, ein hoher gesellschaftlicher Druck, überteuerte Wohnungen, das Erlernen der Zweitsprache, die Begegnung der Volksgruppen, die Aufarbeitung unserer gemeinsamen Geschichte - das sind Themen, denen wir uns annehmen sollten.
Aber nein, Tag für Tag führen wir Diskussionen über eine neue, eine andere Zukunft für Südtirol. Die einen wollen Grenzen verschieben, die anderen neue aufbauen. Dabei stört mich am meisten, dass in Selbstherrlichkeit auch der italienischen Volksgruppe verkündet wird, welchen Weg sie mitzugehen haben, welcher für sie am besten ist.
Mir ist das friedliche Zusammenleben in Südtirol zu wichtig, als dass wir es durch Experimente auf Spiel setzen sollten. Fakt ist: die Autonomie hat uns sprachliche und kulturelle Sicherheit gebracht, Wohlstand, der der gesamten Bevölkerung zugute kommt. Und sie ist noch lange nicht am Ende. Wenn wir immer wieder um neue Zuständigkeiten ringen, dann sind wir auf dem Weg zur Vollautonomie, zu mehr Eigenständigkeit.
Und da ist noch die Europaregion Tirol: wenn wir wirklich etwas daraus machen, wird sie dazu beitragen, die Grenzen in den Köpfen abzubauen. Und über die Staatsgrenzen hinweg ernsthaft zusammenzuarbeiten. Wir sollten das tun, was realistisch und machbar ist. Denn das bringt der Bevölkerung schlussendlich viel mehr als irgendwelche Träumereien.
Euer Philipp